Interaktiv ist in. «Mediale Markenführung» ist das Argument, Information bewegt zu vermitteln. Aber wie viele dieser Projekte nutzen wirklich das Potenzial digitaler Kommunikation? Meist sterben die Tools im Tagesgeschäft, weil der Inhalt langweilt, oder die Einbindung in andere Systeme und das Umfeld nicht zu Ende gedacht wurde.
Was wäre der Mensch ohne Inspiration? Und die Welt ohne digitale Kommunikation? Unser digitaler Lifestyle versorgt uns von morgens bis abends mit einer gewaltigen Menge an Information. Aus dieser Flut selektionieren wir, was uns besonders anspricht. Und so geht es auch in der Live-Kommunikation darum, die Inspiration zu verstärken. Interaktive Medien sind der Schlüssel zur Kommunikation im Sinne von Infotainment. So lassen sich Botschaften und Marken unterhaltend, emotional und somit letztlich überzeugend inszenieren.
Regel Nr. 1: Erzählen Sie eine Geschichte
Und am Anfang war die Geschichte. Diese Weissheit berührender Kommunikationsprojekte gilt erst recht für digitale Inhalte. «Without story you have to worry.» Ohne Geschichte will man nicht in eine Interaktion treten, weil schlichtweg die Motivation fehlt. Der Reiz, sich überhaupt einzulassen kommt aus der Story. Sie regt den Besucher an und löst emotionale Berührung aus. Die Interaktion an sich ist letztlich nur ein Tool, um diese Story erlebbar zu machen und kein Selbstzweck. Aller Anfang liegt bei der Frage: Was ist die Botschaft? Worin besteht die zentrale Idee, die den Inhalt bestimmen soll? Eine solche Geschichte (oder Aufgabe) sollte in der Lage sein, emotionale Reaktionen auszulösen wie
Überraschung (Story-Twist), Neugier (zu lüftendes Geheimnis), Betroffenheit (vor im allem im Bezug auf sich selber) oder staunen (muss ich mehr wissen), und dann zu Handlungen führen.
Finden Sie Ihre Geschichte! Denn interaktive Kommunikation lebt von gutem Inhalt. Und gute Geschichten werden im Normalfall weitererzählt.
Regel Nr. 2: Versetzen Sie sich in Ihren Ziel-Menschen
Machen Sie es einfach für den Mensch, fühlbar, logisch, natürlich. An wen adressiert die Botschaft, wie funktioniert diese Zielgruppe? Wird die interaktive Lösung von einem oder mehreren Usern benutzt? Wie viel Zeit wird jemand haben dafür? Welches Interesse bringt die Person mit? Es braucht eine genaue Analyse des Use-Case (voraussichtlicher Umstand der Nutzung), um die Information zielgruppengerecht zu konzipieren. Digitale Prozesse und Hilfsmittel müssen in die Umgebung integriert sein und an die natürlichen Bewegungen des Menschen angepasst. Eine technische Lösung richtet sich nach dem inhaltlichen Konzept und den Gewohnheiten des Menschen. Nur durch eine intuitive Bedienung entsteht Akzeptanz für die Nutzung und damit Offenheit für den Inhalt.
Regel Nr. 3: Schaffen Sie ein Erlebnis
«Jeder erlebt mehr, als er versteht – aber das Erlebnis, nicht das Verständnis, beeinflusst unser Verhalten», sagt Marshall McLuhan. Interaktive Medien haben eine eindringende Kraft, virtuelle Realität zu schaffen. Ein Geheimnis, eine Überraschung, geweckte Neugier oder Spieltrieb – solche Signale erzeugen Spannung und kitzeln unsere Risikofreude. Die erzeugten multisensorischen Eindrücke werden noch stärker erlebt, wenn der Nutzer sich selbst involviert. Denn Low Involvement kann ein Hindernis sein für die Aufnahme einer Botschaft. Daher ist digitale Interaktion der Schlüssel zu einem starken Erlebnis. Das Eintauchen in eine mediale Welt erzeugt emotionales Erleben und Verstehen. So entsteht der Wert der Botschaft!
Regel Nr. 4: Integrieren Sie das Umfeld
Ihre Geschichte braucht eine dreidimensionale Gestaltung. In Zukunft genügt es nicht, irgendwo einen Screen aufzuhängen. Entscheidend wird sein, die Grenzen zwischen Virtualität und realem Raum zu verwischen. Nur so wird das Erlebnis wirklich immersive, also virtuelle Realität, und damit überzeugend. Nur wenn die Umgebung in das Interaktionskonzept integriert wird, kann Inhalt räumlich wirkungsvoll inszeniert werden. Anhaltspunkte dazu sind vorhandene Naturkonstanten (Temperatur, Geräusche, Lichtverhältnisse, Farben usw.), aber auch soziologische Konstrukte, Traditionen und gesellschaftliche Gewohnheiten. Das alles sind Aspekte, welche in das Interaktionskonzept integriert werden müssen, damit die Installation nicht nur aus sich selbst heraus eine Botschaft hat, sondern auch aus der räumlichen Wirkung ein überzeugendes Erlebnis wird. Vor allem für die digitale Markenführung gewinnen Räume mit medialen Inhalten an Bedeutung. Empfangszonen, Schulungsräume und Showrooms wirken professioneller durch mediale Inszenierung. Brand Architecture wird lebendig durch interaktive Medien.
Regel Nr. 5: Reduzieren Sie Komplexität
Digitale Kommunikation ist ein geniales Instrument, so lange der User nicht mit Technik erschlagen wird. Denn Achtung: Komplexität ist ein anderes Hindernis, warum eine Botschaft nicht ankommt. Wenn der Mensch überfordert ist, stellt er ab (egal ob mit zu viel Information oder unkomfortabler Funktionalität). Mit der technischen Entwicklung werden Bedienvorgänge immer intuitiver und natürlicher. Damit steigen auch die Erwartungen der Benutzer und das Selbstverständnis in Sachen Bedienfreundlichkeit. Modernes Informationsdesign orientiert sich an einfachen Strukturen und intuitiven Prozessen. Komplexe Inhalte wie selbstverständlich aufnehmen ist die Devise.
Regel Nr. 6: Lassen Sie es leben
Interaktive Medien bieten die grosse Chance, Inhalte dynamisch zu führen, also die Informationsausgabe flexibel zu steuern. Dazu ist es sinnvoll, ein speziell aufbereitetes CMS (Content Management System) zu nutzen und Synergien mit anderen Datensystemen einzugehen. Der Content sollte von Beginn an multi-usable aufbereitet werden, also für verschiedene Kanäle als In- oder Output dienen können, um so auch eine effektive Kosteneffizienz nachzuweisen. Damit das Mediensystem lange und reibungslos in Betrieb ist, empfiehlt sich nicht nur eine exakte Planung, Installation und Feinjustierung der Anlage, sondern auch eine regelmässige Wartung der Geräte. Nur so bleibt die Installation störungsfrei und die Freude der interaktiven Nutzung lange erhalten.
Warum es sich lohnt
Der digitale Raum ist die Kommunikationsplattform der Zukunft. Modernes Interaction Design darf aber kein Selbstzweck der Technik sein. Im Zeitalter von Social Media braucht es in der Live-Kommunikation um so mehr das menschliche eigene Erleben. Das Markenerlebnis als neue Leitwährung in der Markenführung kommt durch Interaktion zu neuen Höhen. Und durch zusätzliche Integration der Umgebung wird es zum Quantensprung in Sachen Brand Experience.